Immunonkologie

Ein Bereich intensiver Forschung

Immunonkologie

Bis vor wenigen Jahren noch Theorie, ist sie heute ein therapeutischer Eckpfeiler in der Therapie bestimmter Krebserkrankungen: Die Immunonkologie, die das körpereigene Immunsystem als Waffe gegen Krebs nutzt.

Rasante Entwicklung der Immunonkologie

Mit der ersten Zulassung einer immunonkologisch wirksamen Substanz im Jahr 2011 wurde ein neues Kapitel in der Onkologie aufgeschlagen. Heute sind bereits mehrere immunonkologische Therapieansätze auf dem Markt, die für verschiedene Krebserkrankungen zugelassen sind. Zudem werden aktuell in rund 1.000 Studien weltweit immunonkologische Substanzen geprüft. Viele untersuchen dabei nicht nur das Zusammenspiel mit der herkömmlichen Chemotherapie, sondern die Kombinationen von verschiedenen immunonkologisch wirksamen Substanzen. Diese und viele weitere Forschungsprojekte, in denen zum Beispiel Antikörper untersucht werden, die die Krebszellen direkt an die Immunzellen binden, wodurch die Zerstörung des Tumors eingeleitet werden kann, zeigen das große Potential der Immunonkologie.

Die Bedeutung der Immunonkologie nimmt weiter zu

Die schnelle Entwicklung und die  zunehmende Bedeutung der Immunonkologie zeigt sich auch seit einigen Jahren auf dem weltweit größten Kongress der Krebsgesellschaft ASCO (American Society of Clinical Oncology). Hier wurde die Immunonkologie zum wiederholten Male zum größten Fortschritt gekürt. Das verdeutlicht auch den weiter wachsenden Stellenwert, den die Immunonkologie bei den hämato-onkologischen Fachgesellschaften einnimmt, deren Empfehlung für die Erstellung von Therapieleitlinien essentiell ist.

Immunonkologie – Neue Wege gehen

Die Immunonkologie eröffnet neue Wege in der Krebstherapie, denn sie nutzt das körpereigene Abwehrsystem des Patienten, um Tumorzellen anzugreifen.[i] Die erste immunonkologisch wirksame Substanz wurde bereits 2011 zugelassen. Was mit einer neuen Therapieoption zur Behandlung des schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) begann, ist heute zu einem festetablierten Bestandteil bei der Behandlung verschiedener Krebserkrankungen geworden. Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, denen bis vor wenigen Jahren kaum wirksame Therapieoptionen zur Verfügung standen, können davon besonders profitieren. Die Immuntherapie kann ihr Überleben deutlich verlängern und ihre Lebensqualität verbessern.

Möglich wurde die Entwicklung immunonkologischer Wirkstoffe durch die intensive Erforschung des Immunsystems. Dabei werden auch immer mehr Vorgänge entdeckt, die bei der Entstehung von Krebserkrankungen eine Rolle spielen. Denn: Während Krebszellen normalerweise vom Immunsystem erkannt und unschädlich gemacht werden, können bestimmte Varianten der Krebszellen das Abwehrsystem überlisten und so der Eliminierung entgehen.

Krebszellen entkommen dem Immunsystem

Das gelingt ihnen, in dem sie die Aktivität bestimmter Immunzellen, der T-Zellen, beeinflussen.[ii],[iii] Schaffen es die Tumorzellen in die Signalwege einzugreifen, die die Immunantwort regulieren, können sie der Erkennung durch das Immunsystem entgehen. Eine wichtige Rolle spielen hier Immun-Checkpoint-Moleküle, wie PD-1 oder CTLA-4, die auf der Oberfläche der T-Zellen sitzen. Gelingt es dem Tumor diese Moleküle auf der T-Zelle zu aktivieren, schaltet sie sich ab statt die Krebszellen zu bekämpfen.

Einfluss auf verschiedene Signalwege

Die Immunonkologie beeinflusst genau die Signalwege, die die Krebszellen nutzen, um dem Immunsystem zu entkommen.[iv] So setzen einige Tumorzellen bio-chemische Substanzen frei, die eine Immunreaktion unterdrücken.[vi] Andere Krebszellen wiederrum weisen auf ihrer Oberfläche bestimmte Moleküle auf, die an Immunzellen binden und sie so inaktivieren. Immunonkologische Wirkstoffe verhindern, dass Tumorzellen über diese Mechanismen Checkpoint-Moleküle wie PD-1 oder CTLA-4 aktivieren können. Die Immunzellen bleiben so aktiv und können die Krebszellen weiter bekämpfen.

Gezielte Forschung bringt immer neue Wirkstoffe hervor

Durch gezielte und konsequente immunonkologische Forschung werden kontinuierlich neue Wirkstoffe entwickelt. Die Hoffnung der Wissenschaft ist es, durch die Immunonkologie in Zukunft viele Krebsarten besser behandeln und sie in eine chronische Erkrankung überführen zu können. Bereits heute ist die Immunonkologie bei einigen Krebserkrankungen ein wichtiger therapeutischer Eckpfeiler.


[i] American Cancer Society. Immunotherapy. Verfügbar unter: www.cancer.org/treatment/treatmentsandsideeffects/treatmenttypes/immunotherapy/immunotherapy-what-is-immunotherapy.
Abgerufen am 20. Juli 2017
[ii] Mellman I et al., Nature 2011;480;481-489.
[iii] Pardoll DM. The blockade of immune checkpoints in cancer immunotherapy. Nat Rev Cancer 2012;12: 252–264.
[iv] Dunn GP et al. The immunobiology of cancer immunosurveillance and immunoediting. Immunity 2004;21(2):137-48.
Guevara-Patino JA et al. Immunity to cancer through immune recognition of altered self: studies with melanoma. Adv Cancer Res, 2003;90:157-77.
[vi] Frumento G et al. Targeting tumor-related immunosuppression for cancer immunotherapy. Endocr Metab Immune Disord Drug Targets 2006;6(3):233-37.